📚 Jana stellt vor: Ich sehe alles


Letzte Woche hat euch Sabine "ein wunderbares Buch" vorgestellt. In Woche 65 unseres Projekts "vergessene SchĂ€tze" stellt euch Jana einen ihrer SchĂ€tze vor:
Zusammenfassung:

Nach ihrem Bachelor-Abschluss beschließt die Protagonistin, ein Jahr lang als Au-Pair bei einer deutschen Familie in Budapest zu arbeiten. Sie scheint das große Los gezogen zu haben: In der Villa mit HaushĂ€lterin lĂ€sst es sich gut leben, die kleine Tochter ist sĂŒĂŸ, mit den anderen Au-Pairs kann man die NĂ€chte durchtanzen. Wenn sich nur ihr Freund aus Hamburg endlich melden wĂŒrde. Und warum stört es niemanden, dass das MĂ€dchen nie etwas isst? Unsere ErzĂ€hlerin sieht alles. Aber bald schon fragt sich der Leser, ob er ihr in dieser Geschichte ĂŒberhaupt trauen kann.



Janas Meinung:

Die AtmosphĂ€re in Katharina Bendixens erstem Roman ist bedrĂŒckend: Budapest ein bedrohliches Moloch, das seine Bewohner nur duldet. Die Bilderbuchfamilie nicht so perfekt wie es zunĂ€chst scheint. Die Beziehung der Protagonistin zu ihrem Freund? Das bleibt offen, denn so langsam beginnt man sich zu fragen, ob der Freund, von dem sie allen, die es hören oder auch nicht hören wollen erzĂ€hlt, wirklich existiert. Die Gedanken der ErzĂ€hlerin werden immer obsessiver, Bendixens klare schnörkellose Sprache unterstreicht dies zusĂ€tzlich. Ein Geheimnis reiht sich an das nĂ€chste. Metaphern sind gekonnt gesetzt, die Budapester Außenwelt lĂ€uft parallel zur Innenwelt der Protagonistin immer weiter aus dem Ruder. Hier hat die Autorin die derzeit angespannte politische Situation in Ungarn weitergesponnen und in Straßenschlachten ausarten lassen. Gegen Ende wird gar alles etwas surreal; die Gastfamilie feiert ein rauschendes Fest, wĂ€hrend draußen die Autos brennen.

Wem Veronika Friederike Hasels Roman „Lasse“ gefallen hat, der ist mit „Ich sehe alles“ gut beraten. Anders als bei Hasel wird hier allerdings schneller klar, dass die ErzĂ€hlerin echte Probleme hat; das Buch ist in dieser Hinsicht durchschaubarer, weil es sich auf dieses Thema beschrĂ€nkt. Wenn man die Geschichte, die einige Geheimnisse bis zum Schluss nicht preisgibt, aber durchschaut hat, beobachtet man das Geschehen immer noch mit echtem Interesse. Budapest-Besucher werden sich an viele Orte und SehenswĂŒrdigkeiten erinnert sehen; ein bisschen fĂŒhlt man, dass der Stadt Unrecht getan wird: So schlimm, und so schön, also so schwarz-weiß, wie die Protagonistin sie erlebt, ist sie dann doch nicht. Als reiner „Thriller“ kann Bendixens Roman zwar nicht bezeichnet werden - einen unerwartet intensiven Sog entfaltet er dennoch.

©2017



Meinungen von anderen Lesern:





Na, was meint ihr?
Habt ihr das Buch schon gelesen? (hinterlasst doch einen Link zu eurer Rezension und ich verlinke auch euch)
- Empfindet ihr genauso?
- Habt ihr eher eine andere Meinung davon?
- Wandert das Buch direkt auf eure Wunschliste?
- Liegt es gar schon auf dem SuB?

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