📚 Jana stellt vor: Nollops VermĂ€chtnis


Letzte Woche hat euch Janine ein Buch vorgestellt, welches sie "wirklich positiv beeindruckt" hat. In Woche 67 unseres Projekts "vergessene SchĂ€tze" stellt euch Jana erneut einen ihrer SchĂ€tze vor:
Zusammenfassung:

In Mark Dunns Roman „Nollops VermĂ€chtnis“ hat sich sĂŒdlich der USA ein Inselstaat etabliert, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die englische Sprache zu pflegen. So findet sich als ĂŒberragendes Denkmal der UnabhĂ€ngigkeit ein Pangramm, ein Satz, der alle Buchstaben des Alphabets enthĂ€lt, das der GenialitĂ€t des verehrten StaatsgrĂŒnders Nollop entsprungen ist. Als sich nach ĂŒber hundert Jahren eine der Kacheln – das Z – löst, beschließt der Rat, der den Inselstaat leitet, dass es sich um ein Zeichen Nollops handeln mĂŒsse, und verbietet fortan den Gebrauch des Buchstabens in Wort und Schrift bei Todesstrafe. Wie schon der Verzicht auf einen einzigen Buchstaben die Inselbewohner einschrĂ€nkt, wird in Form von Briefen zweier Familien erzĂ€hlt. Als sich nach und nach weitere Buchstaben zu lösen beginnen, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.



Janas Meinung:

So aberwitzig der Hintergrund von Dunns Roman beim ersten Lesen auch klingen mag, er zeigt am ureigensten Kommunikationsmittel von Gesellschaften – der Sprache – wie fatal sich die irrige Meinung einiger weniger Herrschender auf ihre Untertanen auswirken kann. Zu Beginn erscheint das Inselvolk gerade Buchliebhabern sympathisch: Der Inselrat hat beschlossen, auf entbehrliche technische Neuerungen zu verzichten, die Inselbevölkerung ist ein Volk von Briefeschreibern, deren liebstes Hobby das Lesen ist, die ihre Sprache pflegt und schon die JĂŒngsten zu wahren SprachkĂŒnstlern heranzieht. Als dann jedoch die alten Buchstabenkacheln morsch werden und sich zu lösen beginnen, versteifen sich die Herrschenden darauf, dass es sich um ein himmlisches Zeichen handeln muss und fĂŒhren drakonische Strafen fĂŒr jeden ein, der eine andere Meinung vertritt. Plötzlich sind die Bewohner in allen Bereichen ihres Lebens eingeschrĂ€nkt, es wird lebenswichtig, dass die Sprachschere im Kopf jeden unstatthaften Buchstaben aus den eigenen Äußerungen entfernt. Das Postgeheimnis wird aufgehoben, Nachbarn denunzieren sich gegenseitig, andere halten zusammen und planen den Aufstand. Hilfe von außen ist aufgrund der selbstgewĂ€hlten Isolation nur schwer erreichbar. Dunn skizziert in seinem Roman das schrittweise Entstehen eines totalitĂ€ren Systems, dass sich einer völlig abwegigen Ideologie verschrieben hat und diese mit aller Macht durchsetzt. Dabei ist sein Roman auf jeden anderen Staat, auf jede x-beliebige Ideologie ĂŒbertragbar – und genau das macht „Nollops VermĂ€chtnis“ lesenswert. FĂŒr Sprachliebhaber sind die vielen Wortspiele, die oft gehobene und im Laufe der Geschichte gezwungenermaßen immer ausgefallenere Wortwahl ein Genuss. Der Übersetzer Henning Ahrens hat hier gute Arbeit geleistet und viele Wortspiele ins Deutsche hinĂŒbergerettet.

©2013



Meinungen von anderen Lesern:





Na, was meint ihr?
Habt ihr das Buch schon gelesen? (hinterlasst doch einen Link zu eurer Rezension und ich verlinke auch euch)
- Empfindet ihr genauso?
- Habt ihr eher eine andere Meinung davon?
- Wandert das Buch direkt auf eure Wunschliste?
- Liegt es gar schon auf dem SuB?

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